(drink) Neulich war ich auf der Suche nach einem guten Wein, um mich nach einem langen Tag zu entspannen.
Ich kaufe so etwas normalerweise in einem gut sortierten Supermarkt, da ich an diesem Abend keine Gäste erwartete und niemanden mit meinem Wissen über edle Weine beeindrucken musste.
Mir reichte ein einfacher Wein – vorzugsweise ein Weißwein, deutsch, und er sollte nicht mehr als zehn Euro pro Flasche kosten. Dank eines Buches, das von einem der bekanntesten Sommeliers Deutschlands geschrieben wurde, habe ich gelernt, dass ein Wein vier Kriterien erfüllen sollte: Er soll gut schmecken, gut bekommen, zur Gelegenheit passen und am nächsten Tag keine Kopfschmerzen verursachen.
Was den Preis betrifft, ist nur wichtig, dass man die Arbeit des Winzers und den Transport des Weins zu schätzen weiß. Ein Drei-Euro-Wein aus Argentinien wäre also nicht meine erste Wahl.
Also stand ich vor einem gut bestückten Regal und ließ meinen Blick über die Etiketten schweifen, als plötzlich eine Rebsorte meine Aufmerksamkeit erregte, die ich bewusst noch nie wahrgenommen oder probiert hatte.
Ein Cabernet Blanc…
Was ist das? Aus der Pfalz – und auf dem Etikett der Flasche stand neben den üblichen Angaben in einer Ecke das Wort „PiWi“.
Später fand ich heraus, dass das für „Pilz widerstandsfähig“ steht, worauf ich später noch eingehen werde. Der Preis entsprach meinen Erwartungen, also wagte ich es und nahm eine Flasche mit nach Hause.
Um es kurz zu machen: Es war keine Fehlentscheidung.
Ein ausgezeichneter Wein für einen ruhigen Leseabend.
Sein Geschmack erinnert ein wenig an Sauvignon Blanc, allerdings etwas kräftiger, mit ausgeprägteren exotischen und zitrischen Noten (Ananas, Mango, Grapefruit, u.a.).
Das alles in einem trockenen Profil. Eine frische Mineralität steht im Kontrast zur fruchtigen Intensität, die vom kalkreichen Boden der Pfalz beeinflusst ist.
Kurzum: eine gute Wahl.
PiWi…
Der Cabernet Blanc gehört zu den pilzresistenten Rebsorten (z. B. gegen echten und falschen Mehltau sowie Botrytis), was den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln erheblich reduziert.
Damit ist er ein idealer Kandidat für nachhaltigen und ökologischen Weinbau.
Wahrscheinlich handelt es sich um eine Kreuzung aus Cabernet Sauvignon und einer asiatischen, pilzresistenten Wildrebe mit weißen Beeren – auch wenn der Schweizer Züchter gewisse Details lieber geheim hält.
Die Pflanze ist robust und liefert selbst in kühleren Weinanbaugebieten gute Erträge.
Die offizielle Zulassung dieser Sorte in Deutschland erfolgte 2010, sie ist also noch relativ jung und bisher wenig verbreitet.
Doch sie gewinnt an Bedeutung – vor allem durch das steigende Interesse der Verbraucher an nachhaltigeren und umweltfreundlicheren Optionen.
Empfehlung…
Durchstöbern Sie die Regale der Supermärkte oder Fachgeschäfte in Ihrer Nähe oder fragen Sie direkt beim Weinhändler Ihres Vertrauens nach.
Wenn Sie es praktischer mögen, können Sie natürlich auch im Internet suchen.
Probieren Sie den Cabernet Blanc zu einem einfachen Essen.
Er wird Sie nicht enttäuschen – und ganz nebenbei leisten Sie auch einen Beitrag zum Schutz des Weinbau-Ökosystems.
Auch wenn das nicht mein Hauptanliegen ist – denn für mich steht der Genuss an erster Stelle – warum nicht beides verbinden?
Diese Rebsorte wird mit Sicherheit einen festen Platz in meinem „Weinkeller“ bekommen.
Holger né
